Innerer Kritiker: Warum Du so hart mit Dir selbst bist — und wie Du lernst, freundlicher mit Dir umzugehen
Kennst Du sie auch, diese innere Stimme in Dir, die Dich ganz oft negativ bewertet und kleinmacht. Die vor allem in herausfordernden Situationen, in denen Du ohnehin schon aufgeregt bist, einfach nicht die Klappe halten will. Die Dich schonungslos und ständig angreift. Das ist Dein innerer Kritiker 👋, auf den wir eigentlich idR gut und gerne verzichten können.
Er sagt Sätze wie
„Ich bin doch eh nicht gut genug“
„Andere können das besser“
„Ich darf keinen Fehler machen“
„Die werden über mich lachen!"
„Du bist aber auch wirklich zu nichts zu gebrauchen"
„Schon wieder falsch, das war ja klar".
Alles Input auf den wir lieber verzichten würden, da er idR destruktiv ist und nur Nachteile bringt.
Aber eigentlich meint es der innere Kritiker nur gut mit Dir.
Wie geht denn das, magst Du Dich nun fragen. Here it comes:
Dein innerer Kritiker ist nicht einfach aus dem Nichts entstanden.
Auch wenn er sich heute oft hart, gemein oder gnadenlos anhört, hatte er ursprünglich meistens eine Funktion: Er wollte Dich schützen.
Wahrscheinlich gehörst Du zu denen, die sehr früh gelernt haben, dass Du besonders lieb, angepasst, stark, leise, erfolgreich oder pflegeleicht sein musst, um Anerkennung, Nähe, Sicherheit oder Liebe zu bekommen.
Vielleicht wurde Kritik in Deiner Kindheit schnell laut.
Vielleicht wurden Fehler stark bewertet.
Vielleicht hattest Du das Gefühl, Dich anstrengen zu müssen, um gesehen zu werden.
Vielleicht war wenig Raum für Deine Gefühle, Bedürfnisse oder Grenzen.
Vielleicht war Anerkennung und Liebe abhängig von Leistung.
Und irgendwann hast Du daraus innere Regeln entwickelt:
„Ich darf keine Fehler machen.“
„Ich muss funktionieren.“
„Ich darf niemandem zur Last fallen.“
„Ich muss stark sein.“
„Ich muss es allen recht machen.“
„Ich bin nur wertvoll, wenn ich etwas leiste.“
Diese Sätze sind in Deinem Unterbewusstsein entstanden und haben Dein Verhalten geprägt. Später laufen sie oft weiter — auch dann, wenn Du längst erwachsen bist.
Aus Schutz für Dich als Kind wird dann Druck für Dich als Erwachsene.
Aus Anpassung für Dich als Kind wird Selbstverleugnung für Dich als Erwachsene.
Aus Vorsicht für Dich als Kind wird Selbstkritik für Dich als Erwachsene.
Dein innerer Kritiker versucht vielleicht immer noch, Dich vor Ablehnung, Fehlern, Enttäuschung oder Scham zu bewahren. Nur tut er das auf eine Weise, die Dich heute nicht mehr stärkt, sondern klein macht.
Er sagt nicht:
„Ich habe Angst, dass Du verletzt wirst.“
Er sagt:
„Du bist nicht gut genug.“
„Du musst besser sein.“
„Reiß Dich zusammen.“
„Andere können das viel besser.“
Und genau deshalb hilft es oft nicht, ihn einfach nur loswerden zu wollen. Oder ihm mit positiven Affirmationen zu beruhigen bzw. stillzustellen.
Viel hilfreicher ist es für Dich ganz individuell, zu verstehen, woher diese Stimme kommt, wovor sie Dich schützen will und welche alten Erfahrungen sie bis heute wiederholt.
Denn erst wenn Du verstehst, warum Dein innerer Kritiker so laut geworden ist, kannst Du lernen, ihm nicht mehr alles zu glauben. Du kannst neue Antworten für Dich finden und lernen, dass er leise wird bis er irgendwann sogar verstummt. Das braucht Übung.
Am wichtigsten ist es loszugehen. Den ersten Schritt zu gehen, freundlich zu Dir zu sein, Dich mit mehr Zuneigung zu behandeln, so wie Du das für Deine beste Freundin tun würdest.
In meinem kostenloses Become your own best friend Starter Kit, habe ich Dir dazu einfache, aber wirkungsvolle Übungen zusammengestellt. Schreib‘ mir und ich sende ihn Dir zu.
Eure Senia