Scham und Selbstwert: Warum frühere schamhafte Erfahrungen Deinen inneren Kritiker laut machen

Scham ist eines der Gefühle, über das wir am wenigsten sprechen — obwohl es so ein intensives Gefühl ist, das viel in uns bewirkt.

Vielleicht kennst Du dieses unangenehme, heiße Gefühl im Körper, wenn Dir etwas peinlich ist; das Gefühl knallrot anzulaufen, Herzklopfen, den Wunsch, im Boden zu versinken, den Gedanken: „Was stimmt nur nicht mit mir?“ 

Wenn Du in Deiner Vergangenheit häufig beschämt wurdest oder Dich in wichtigen Momenten allein, falsch oder ausgeliefert gefühlt hast, kann das bis heute einen starken Einfluss auf Deinen Selbstwert haben. Denn Scham sagt nicht einfach: „Ich habe etwas falsch gemacht.“, sondern Scham sagt: „Ich bin falsch.“ Und genau hier kommt dann auch Dein innerer Kritiker ins Spiel, der lautstark und furchtbar abwertend mit Dir redet.

Was ist Scham eigentlich?

Scham ist eine sehr starke, unangenehme, schmerzhafte Emotion. Sie entsteht oft dann, wenn wir glauben, nicht richtig, nicht liebenswert, nicht passend oder nicht genug zu sein. Im Kontext des Miteinanders mit Anderen (soziale Scham), kommt Scham oft auf, wenn wir Angst haben, bloßgestellt oder abgelehnt zu werden. Ganz oft, trauen wir uns dann bestimmte Dinge gar nicht erst, weil die Scham, die schon beim Gedanken daran, dass wir uns fürchterlich blamieren könnten, uns davon abhält. Obwohl wir eigentlich mitmachen wollen oder etwas zeigen wollen, wir trauen es uns dann einfach nicht, weil wir uns blamieren könnten. Dieser Rückzug, in den die Scham uns zwingt, kann uns aber mittelfristig auch verletzten, denn statt uns bekommen vielleicht andere die Lorbeeren, für etwas, das wir doch eigentlich auch gekonnt hätten.

Wie schamhafte Erfahrungen entstehen können

Schamhafte Erfahrungen können sehr unterschiedlich aussehen. Manchmal sind es große, sehr schmerzhafte Situationen. Manchmal sind es viele kleine Momente, die sich über Jahre ansammeln. Zum Beispiel, wenn Du:

  • ausgelacht wurdest

  • bloßgestellt wurdest

  • für Gefühle kritisiert wurdest

  • als „zu sensibel“, „zu laut“, „zu viel“ oder „zu anstrengend“ bezeichnet wurdest und Du Dich dann schlichtweg „falsch“ gefühlt hast, so zu sein, wie Du bist

  • bei Fehlern hart bewertet wurdest

  • mit Deinen Bedürfnissen nicht ernst genommen wurdest

Wenn solche Erfahrungen häufiger passiert sind oder auch heute noch passieren, dann entsteht die Überzeugung in Dir „Ich darf nicht so sein, wie ich bin.“ und „Um dazuzugehören, muss ich mich anpassen.“.

Solche Erfahrungen sind in den jeweiligen Momenten super schamhaft und schmerzhaft, aber die Konsequenzen, die sie mittel- bis langfristig mit sich bringen, sind es ebenso. Deshalb lohnt es sich genauer hinzusehen.


Was Scham mit Deinem Selbstwert macht

Wenn Du Dich früher oft geschämt hast, kann Dein Selbstwert darunter leiden.
Aber eben nicht, weil mit Dir etwas falsch ist oder jemals gewesen ist. Sondern weil Dein Nervensystem und Dein inneres Erleben gelernt haben: „So wie ich bin, bin ich nicht sicher.“

Dann beginnst Du vielleicht, Dich zu kontrollieren. Dich anzupassen. Dich zurückzuhalten. Dich nicht zu zeigen. Deine Bedürfnisse kleinzureden.
Dein Selbstwert hängt dann nicht mehr daran, wie Du Dich selbst siehst, sondern ganz stark daran, ob andere Dich gerade akzeptieren, mögen oder bestätigen.

Warum Scham den inneren Kritiker laut macht

Dein innerer Kritiker kann aus Scham heraus besonders laut werden.
Denn wenn Du früher erlebt hast, dass bestimmte Seiten an Dir beschämt wurden, versucht Dein innerer Kritiker Dich später davor zu schützen, dass so etwas noch einmal passiert.

Er sagt dann zum Beispiel:

  • „Sag das lieber nicht.“

  • „Mach Dich nicht lächerlich.“

  • „Du bist nicht gut genug.“

  • „Was sollen denn die anderen denken?“

  • „Reiß Dich zusammen.“

Auch wenn diese Stimme hart klingt, steckt dahinter oft der Versuch, Dich vor erneuter Scham, Ablehnung oder Bloßstellung zu bewahren.

Das Problem ist: Dieser Schutz wird irgendwann zum Gefängnis:

Der innere Kritiker hält Dich klein, damit Du nicht auffällst.
Er macht Dich streng, damit Du keine Fehler machst.
Er bringt Dich zum Schweigen, damit Du nicht wieder beschämt wirst.

Typische Folgen von Scham im Alltag

Alte Scham zeigt sich im Alltag manchmal gar nicht so offensichtlich, sondern eher subtil. Vielleicht merkst Du sie gar nicht sofort als Scham, sondern eher als Unsicherheit, Rückzug oder Selbstkritik.
Mögliche Anzeichen:

  • Du grübelst lange über Situationen nach, die Dir unangenehm oder peinlich waren.

  • Du hast Angst, etwas Falsches zu sagen.

  • Du entschuldigst Dich ständig.

  • Du hältst Dich zurück und vermeidest so sichtbar zu sein.

  • Du kannst Komplimente schwer annehmen und relativierst sie daher immer gleich.

  • Du hast Angst, zu viel oder nicht genug zu sein.

  • Du passt Dich stark an, um nicht negativ aufzufallen.

All das kann ein Hinweis darauf sein, dass alte Scham noch in Dir wirkt.

Warum es nicht reicht Dir einfach zu sagen: „Akzeptier’ Dich so wie Du bist“

Selbstannahme klingt oft so einfach. „Akzeptier Dich doch einfach.“, „Du bist gut so, wie Du bist.“ oder „Lieb‘ Dich selbst.“. Aber wenn in Dir alte Scham gespeichert ist, ist Selbstannahme alles andere als einfach.

Dann kann ein Satz wie „Ich bin gut genug“ innerlich sogar Widerstand auslösen, weil Dein Unterbewusstsein fest davon überzeugt ist: „Nein, bin ich nicht. Sonst wäre ich damals nicht beschämt worden.“

Deshalb beginnt Selbstannahme nicht damit, Dich zu einer anderen Überzeugung zu überreden. Sie beginnt damit, zu verstehen, warum es Dir so schwerfällt, Dich selbst liebevoll zu sehen. Und dann Schritt für Schritt die Vergangenheit zu akzeptieren und Dich anzunehmen, für das was Du warst und bist.

Wie Du anfangen kannst, anders mit Scham umzugehen

Der erste Schritt ist nicht, Scham sofort loszuwerden. Der erste Schritt ist, wahrzunehmen, dass sie da ist. Frag Dich:

  • Wann schäme ich mich besonders schnell?

  • Welche Seiten an mir versuche ich zu verstecken?

  • Welche Sätze sagt mein innerer Kritiker in solchen Momenten?

  • Wovor versucht er mich zu schützen?

  • Was hätte ich damals gebraucht?

  • Was darf ich mir heute selbst geben?

Scham verliert oft an Macht, wenn sie nicht länger im Verborgenen bleiben muss. Wenn Du beginnst, sie mit Mitgefühl, statt mit weiterer Selbstverurteilung zu betrachten.

Geh‘ los für Dich

Hier ist eine kleine Übung für Dich, um zu starten, nachhaltig an Deiner Scham zu arbeiten:

Nimm’ Dir einen ruhigen Moment und denke an eine Situation, in der Du Dich geschämt hast oder Dich heute noch schnell schämst. Wähle für den Anfang am besten keine Situation, die Dich sehr stark belastet, sondern eher eine, von der Du annimmst, dass Du sie gut für Dich reflektieren kannst.

Dann beantworte schriftlich:

1. Was ist passiert? Beschreibe die Situation möglichst sachlich.

2. Was hat die Scham/Dein innerer Kritiker daraus gemacht? Zum Beispiel:

  • „Ich bin peinlich.“

  • „Andere finden mich bestimmt komisch.“

  • „Mit mir stimmt etwas nicht.“

  • „Ich bin nicht liebenswert, wenn ich Fehler mache.“

3. Was hätte ich in diesem Moment gebraucht? Zum Beispiel: Schutz, Verständnis, Zuspruch, Sicherheit, jemanden, der sagt: „Du bist gut wie Du bist“

4. Was kann ich mir heute sagen? Formuliere eine freundlichere, realistische Antwort. Beispiele:

  • „Ich habe mich geschämt, aber das bedeutet nicht, dass ich falsch bin.“

  • „Ich darf Fehler machen und bin trotzdem wertvoll. Jeder macht Fehler.“

  • „Mein innerer Kritiker versucht mich zu schützen, aber ich muss ihm nicht alles glauben.“

  • „Ich darf lernen, mich selbst nicht länger für alte Erfahrungen zu verurteilen.“

Scham kann tief sitzen. Besonders dann, wenn Du früh gelernt hast, dass bestimmte Seiten an Dir nicht willkommen waren.

Aber Du musst diese alte Scham nicht weiter als Wahrheit über Dich tragen.
Du darfst lernen, Deinen inneren Kritiker zu verstehen, Deinen Selbstwert zu stärken und Dir selbst mit Mitgefühl zu begegnen.

Wenn Du damit starten möchtest, schreib mir eine Nachricht, dann sende ich Dir gerne mein 0 € Starter Set „Become your own best friend“ zu.

Und wenn Du merkst, dass Du tiefer hinschauen möchtest, begleite ich Dich ebenso gern im 1:1 Coaching. Lass‘ mich einfach wissen, was Du brauchst.

Eure Senia
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